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EPD erstellen: Ablauf, Anforderungen und Nutzen

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Vom Bauprodukt zur EPD

Unternehmensbereich: Nachhaltigkeit & Kreislaufwirtschaft | Ökobilanzierung | EPD

Nachhaltigkeit & Kreislaufwirtschaft

Was ist eine EPD?

Eine Environmental Product Declaration (EPD), auf Deutsch Umweltproduktdeklaration, macht die Umweltwirkungen eines Bauprodukts transparent und nachvollziehbar. Sie stellt standardisierte Umweltinformationen zu einem Produkt über definierte Lebenszyklusphasen hinweg dar und basiert auf einer Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA). Dabei werden relevante Material- und Energieflüsse eines Produkts erfasst und die daraus resultierenden potenziellen Umweltwirkungen berechnet. Eine EPD ist damit mehr als eine reine CO2-Angabe: Sie kann abhängig von den geltenden Regeln verschiedene Umweltwirkungen und Ressourcenverbräuche eines Produkts über seinen Lebenszyklus ausweisen. Doch wie entsteht eine EPD, welche Daten werden benötigt und welche Normen und Regeln sind dabei zu beachten? Von der Ökobilanz nach ISO 14040 und ISO 14044 über ISO 14025 und EN 15804+A2 bis zu Produktkategorieregeln und Verifizierung: Wir zeigen den Weg von den Produktdaten zur fertigen EPD.

Was bedeutet EPD?

Eine EPD ist eine standardisierte Umweltdeklaration auf Grundlage einer Lebenszyklusanalyse und festgelegter Regeln für die jeweilige Produktkategorie. Sie schafft eine nachvollziehbare Datengrundlage, beispielsweise für Planer, Bauherren, Hersteller und weitere Akteure im Bauwesen.

2026_EPD_Prozess

EPD und CO2-Bilanz - wo liegt der Unterschied?

Eine CO2-Bilanz konzentriert sich auf die Treibhausgasemissionen eines Produkts oder Unternehmens. Eine EPD kann dagegen mehrere Umweltwirkungskategorien und Ressourcenindikatoren umfassen. Die EPD beschreibt damit die Umweltleistung eines Produkts wesentlich umfassender als eine reine CO2-Bilanz.

Die Normen hinter einer EPD

Eine EPD basiert nicht auf einer einzelnen Norm. Vielmehr greifen mehrere Ebenen ineinander: Die ISO-Normen definieren die methodischen Grundlagen, europäische Normen konkretisieren diese für bestimmte Anwendungsbereiche und Produktkategorieregeln legen weitere Anforderungen für die jeweilige Produktgruppe fest.

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ISO 14040 und ISO 14044: Die Grundlage der Ökobilanz

ISO 14040 – Prinzipien und Rahmenbedingungen

ISO 14040 beschreibt die Grundsätze und den Rahmen einer Lebenszyklusanalyse. Dazu gehören unter anderem die Definition von Ziel und Untersuchungsrahmen, die Betrachtung des Lebenszyklus sowie die grundlegende Struktur einer LCA.

ISO 14044 – Anforderungen und Leitlinien

ISO 14044 konkretisiert die Anforderungen und Leitlinien für die Durchführung einer Lebenszyklusanalyse. Dazu gehören beispielsweise Anforderungen an Systemgrenzen, Sachbilanz, Wirkungsabschätzung und Interpretation. Damit bilden ISO 14040 und ISO 14044 die methodische Basis für die Ökobilanz, auf der eine EPD aufbaut

ISO 14025: Umweltdeklarationen Typ III

ISO 14025 definiert die Prinzipien für Umweltdeklarationen des Typs III. EPDs gehören zu diesen Typ-III-Umweltdeklarationen. Im Mittelpunkt stehen quantitative und unabhängig verifizierte Umweltinformationen, die auf einer Lebenszyklusbetrachtung und festgelegten Produktkategorieregeln basieren. Damit verbindet ISO 14025 die methodische Grundlage der Ökobilanz mit der standardisierten Darstellung von Umweltinformationen.

EN 15804+A2: Die Grundlage für EPDs von Bauprodukten

Für Bauprodukte ist die EN 15804+A2 besonders relevant. Sie legt die grundlegenden Regeln für Umweltproduktdeklarationen von Bauprodukten und Bauleistungen fest. Unter anderem definiert sie Anforderungen an:
• Lebenszyklusmodule
• Systemgrenzen
• Umweltindikatoren
• Datengrundlagen
• Berechnung und Darstellung der Ergebnisse
Die EN 15804+A2 steht dabei nicht isoliert. Sie baut auf den übergeordneten Prinzipien der Ökobilanz und Umweltdeklaration auf und wird durch die jeweils relevanten Produktkategorieregeln und Programmanforderungen ergänzt.

Produktkategorieregeln: Welche PCR gelten?

PCR steht für Product Category Rules, also Produktkategorieregeln. Sie konkretisieren die übergeordneten Anforderungen für eine bestimmte Produktkategorie. Die PCR legen beispielsweise fest, welche Prozesse berücksichtigt werden, welche Systemgrenzen gelten und wie bestimmte Produkt- und Lebenszyklusinformationen zu behandeln sind.

Warum sind PCR wichtig?

Produktkategorieregeln schaffen einheitliche Voraussetzungen für die Erstellung von EPDs innerhalb einer Produktkategorie. Sie sind deshalb eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Umweltinformationen nach einheitlichen Regeln ermittelt und dargestellt werden können. Vor Beginn einer EPD-Erstellung muss geklärt werden, welche PCR für das jeweilige Produkt und EPD-Programm anzuwenden sind.

Welche Rolle spielt der EPD-Programmbetreiber?

EPDs werden innerhalb eines EPD-Programms erstellt und veröffentlicht. Der jeweilige Programmbetreiber definiert die Anforderungen und Prozesse des Programms. Dazu können Vorgaben gehören für:
• anzuwendende PCR
• Daten und Datenqualität
• Berechnungsmethoden
• Aufbau der EPD
• Verifizierung und Veröffentlichung
• Gültigkeit und Aktualisierung
Welches Programm geeignet ist, sollte deshalb bereits zu Beginn des Projekts geklärt werden.

EPD erstellen: Der Ablauf

Von der ersten Datenerhebung bis zur Veröffentlichung durchläuft eine EPD mehrere aufeinander aufbauende Schritte.

1. Produkt und Untersuchungsumfang definieren

Zunächst werden Produkt, Hersteller, Produktionsstandorte und Untersuchungsumfang festgelegt. Dabei wird beispielsweise geklärt:
• Welches Produkt wird betrachtet?
• Welche Varianten gehören dazu?
• Welche Produktionsstandorte sind relevant?
• Welcher Zeitraum wird betrachtet?
• Welche funktionelle Einheit wird verwendet?
• Welche Lebenszyklusmodule werden berücksichtigt?

2. EPD-Programm und PCR bestimmen

Im nächsten Schritt werden das passende EPD-Programm und die anzuwendenden Produktkategorieregeln bestimmt. Diese Entscheidung ist wichtig, weil sie die Datenerhebung, Modellierung und spätere Darstellung der Ergebnisse beeinflusst.

3. Produkt- und Prozessdaten erheben

2026_EPD_Datenmodell

Für die Ökobilanz werden relevante Primär- und Sekundärdaten zusammengestellt. Dazu gehören beispielsweise:
• Rohstoffe und Materialien
• Rezepturen
• Energieverbrauch
• Produktionsprozesse
• Transporte
• Verpackungen
• Produktionsabfälle
• Recyclingmaterialien
• Entsorgungs- und Verwertungswege

4. Ökobilanz erstellen

Auf Basis der erhobenen Daten wird das Produktmodell für die Lebenszyklusanalyse (LCA) aufgebaut. Dabei werden relevante Prozesse und Stoffströme abgebildet, Systemgrenzen festgelegt und die entsprechenden Umweltwirkungen berechnet. Die Ökobilanz bildet damit die rechnerische Grundlage der EPD.

5. Umweltwirkungen berechnen

Aus dem LCA-Modell werden die nach den geltenden Regeln erforderlichen Umweltindikatoren berechnet. Neben dem Treibhauspotenzial können dabei weitere Umweltwirkungen und Ressourcenindikatoren betrachtet werden.

6. EPD erstellen

Die Ergebnisse der Ökobilanz werden entsprechend den Anforderungen des EPD-Programms und der geltenden Produktkategorieregeln in der EPD dokumentiert. Neben den Umweltkennzahlen enthält die EPD unter anderem Angaben zum Produkt, Hersteller, Untersuchungsrahmen, den verwendeten Daten und den zugrunde liegenden Regeln.

7. EPD verifizieren

Vor der Veröffentlichung wird die EPD entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Programms unabhängig verifiziert. Dabei werden unter anderem Methodik, Daten, Berechnungen und die Anwendung der geltenden Regeln geprüft.

8. EPD veröffentlichen

Nach erfolgreicher Verifizierung wird die EPD über das jeweilige EPD-Programm veröffentlicht beziehungsweise registriert. Damit stehen die Umweltinformationen für die weitere Verwendung zur Verfügung.

Welche Daten werden für eine EPD benötigt?

Die Qualität und Verfügbarkeit der Daten hat einen wesentlichen Einfluss auf Aufwand und Ergebnis der EPD-Erstellung. Typische Datenbereiche sind:

Tabelle
Datenbereich Beispiele
Produkt Rezeptur, Materialzusammensetzung
Rohstoffe Mengen, Herkunft
Energie Strom, Gas, Wärme
Produktion Prozesse, Produktionsmengen
Transporte Distanzen, Transportmittel
Verpackung Material, Menge
Abfälle Mengen, Verwertungswege
Recycling Rezyklatanteile
End-of-Life Rückbau, Recycling, Entsorgung

Primärdaten und Sekundärdaten

Für eine Ökobilanz werden sowohl Primärdaten aus dem Unternehmen als auch geeignete Sekundärdaten verwendet. Primärdaten können beispielsweise tatsächliche Energieverbräuche, Rezepturen oder Produktionsmengen sein. Sekundärdaten stammen dagegen aus geeigneten Datenbanken oder anderen anerkannten Datenquellen. Eine strukturierte Datenaufnahme zu Beginn des Projekts hilft, Datenlücken frühzeitig zu erkennen.

Wie lange dauert die Erstellung einer EPD?

Wie lange die Erstellung einer EPD dauert, hängt unter anderem von der Produktkomplexität, der Datenverfügbarkeit, der Anzahl der Produktionsstandorte, dem gewählten EPD-Programm und dem Umfang der erforderlichen Modellierung ab. Ein wichtiger Faktor ist die Qualität der vorhandenen Daten. Gut strukturierte Produkt- und Produktionsdaten können den Prozess deutlich vereinfachen. Der Prozess kann wenige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Unternehmen können die Erstellung einer EPD wesentlich vereinfachen, wenn relevante Produkt- und Prozessdaten frühzeitig zusammengestellt werden.

Was kostet eine EPD?

Die Kosten lassen sich nicht pauschal bestimmen. Sie hängen unter anderem vom Produkt, der Datenlage, der Anzahl der Standorte, dem Modellierungsaufwand und den Anforderungen des jeweiligen EPD-Programms ab. Zusätzlich zum Aufwand für Datenerhebung und Ökobilanzierung können Kosten für Verifizierung und Veröffentlichung entstehen. Für eine belastbare Einschätzung sollte deshalb zunächst der konkrete Produkt- und Projektumfang geklärt werden.

Welchen Nutzen hat eine EPD?

Eine EPD schafft eine standardisierte und nachvollziehbare Grundlage für die Kommunikation von Umweltinformationen.

Transparenz über Umweltwirkungen

EPDs machen die potenziellen Umweltwirkungen eines Produkts über definierte Lebenszyklusphasen transparent.

Grundlage für nachhaltiges Bauen

EPD-Daten können bei der ökologischen Bewertung von Gebäuden und Baukonstruktionen verwendet werden.

Unterstützung bei Ausschreibungen

EPDs stellen standardisierte Umweltinformationen bereit, die bei Ausschreibungen und Kundenanforderungen relevant sein können.

Potenziale für Produktentwicklung

Die Ergebnisse einer Ökobilanz können Ansatzpunkte liefern, um Materialien, Prozesse und Produkte hinsichtlich ihrer Umweltwirkungen weiterzuentwickeln.

EPD, Ökobilanz und CO2-Bilanz: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe EPD, Ökobilanz und CO2-Bilanz werden häufig gleichgesetzt. Tatsächlich beschreiben sie unterschiedliche Dinge.

Ökobilanz / LCA

Die LCA ist die methodische Untersuchung der Umweltwirkungen eines Produkts über seinen Lebenszyklus.

CO2-Bilanz

Die CO2-Bilanz konzentriert sich auf Treibhausgasemissionen beziehungsweise das Treibhauspotenzial.

EPD

Die EPD ist die standardisierte Deklaration von Umweltinformationen auf Grundlage einer LCA und definierter Regeln.

Praxisbeispiel: EPD für ein Bauprodukt

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Umweltproduktdeklaration Zement, Mörtel, Beton
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